Willkommen bei Hans Reime
Willkommen bei Hans Reime

Die Angst vor der atomaren Vernichtung ist zurück. Nur indem sich der Mensch verändert, lässt sich die Gefahr auf Dauer vermeiden.
Putin droht unverhohlen mit dem Einsatz atomarer Waffen. Dies ist eine der verstörendsten Nachrichten unter all den verstörenden, die uns täglich aus dem Krieg in der Ukraine erreichen.

Die Nato, paralysiert durch die Angst vor einem dritten Weltkrieg, muss tatenlos zusehen, wie die Ukraine dem Machtwahn eines Autokraten geopfert wird.

Strategieexperten rechnen vor, welche Arsenale an Atomwaffen auf uns warten: 12 000 allein aufseiten Russlands und der Nato, an Zerstörungskraft um ein Vielfaches verheerender noch als die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki, nicht zu reden von der massiven atomaren Aufrüstung im Konfliktgebiet China, Indien und Pakistan oder von der Bombe in den Händen eines noch unberechenbareren Despoten wie Kim Jong Un.

Jedes Wochenende beantwortet WELT AM SONNTAG-Herausgeber Stefan Aust Fragen. Das Thema diesmal: Schlägt Bundeskanzler Olaf Scholz mit Blick auf Waffenlieferungen an die Ukraine den richtigen Kurs ein? Und: Was ist vom Auftreten des ukrainischen Botschafters Melnyk zu halten?

Auszüge

  • Frage: Bundeskanzler Olaf Scholz ist wegen seiner Haltung zu Waffenlieferungen an die Ukraine in die Kritik geraten, auch in den Reihen der Ampelkoalition. Wie beurteilen Sie sein Verhalten?
    Aust: Mir ist ein vorsichtiger, besonnener Bundeskanzler in einer so gefährlichen Lage lieber als einer, der den Krieg – möglicherweise in der besten Absicht – weiter eskalieren lässt. Eine Unterstützung der Ukraine auch durch Waffenlieferungen ist sicher notwendig, aber mit welchen „schweren Waffen“ die Schwelle zur Kriegsbeteiligung überschritten würde, ist schwer abzuschätzen.
    Wer aus berechtigter moralischer Empörung und Solidarität dem ukrainischen Präsidenten und seinem Berliner Botschafter jeden Wunsch nach militärischer Hilfe von den Augen abliest, könnte schnell selber zur Kriegspartei werden. Und ob damit der Ukraine geholfen ist, kann durchaus bezweifelt werden.
  • Frage: Täuscht der Eindruck, oder kann sich in der Regierung insbesondere die SPD nicht zu einer klaren Haltung gegenüber dem Agieren Russlands durchringen?
    Aust: Die bisherigen Maßnahmen und Sanktionen des Westens und damit auch der Bundesrepublik zeugen von einer klaren Haltung gegenüber dem verbrecherischen Angriff Russlands auf die Ukraine.
    Aber mit einem plötzlichen Lieferstopp die Wirtschaft lahmzulegen, dürfte die Stabilität und damit die Verteidigungsfähigkeit des Landes auch nicht gerade stärken.

    Auch die eigene Verteidigungsfähigkeit sollte langsam mal in den Vordergrund rücken - etwa die Frage, ob die „Aussetzung“, in Wirklichkeit wohl Abschaffung der Wehrpflicht nicht dringend rückgängig gemacht werden müsste. Und die auf unbegrenzte russische Gaszufuhr basierende Energiewende mit ihrer Abkehr von Atomkraft, Steinkohle und Braunkohle dürfte sich schon jetzt als Windei entpuppt haben. Der Ukraine-Feldzug Putins sollte wenigstens die politischen Träumer im Lande auf den Boden der Wirklichkeit zurückbringen.
  • Frage: Wie sehen Sie die Rolle des ukrainischen Botschafters Melnyk, der für einen Diplomaten eine sehr deutliche Sprache spricht und viele Forderungen stellt?
    Aust: Melnyk vertritt die Interessen seines Landes ziemlich forsch. Das ist sein gutes Recht. Dass er sich dabei manchmal im Ton und in der Sache vergreift, gehört nicht zu den schlimmsten Vorkommnissen in diesem Krieg. Er hat seine öffentlichkeitswirksame Rolle gefunden, ob er damit auf Dauer die Sympathie und Solidarität mit der Ukraine fördert, wird sich herausstellen.

21.04.2022. Geschrieben von Alissa Ganijewa, die als Schriftstellerin und Literaturkriterin in Moskau lebte, aber Russland mittlerweile verlassen hat.

Angesichts des mit äußerster Brutalität geführten Krieges gegen die Ukraine ist derzeit viel von toxischer russischer Männlichkeit die Rede. Übersehen wird dabei gern die Rolle der russischen Frauen als willige Beihelferinnen.

 

Auszüge:

  • Die Tatsache, dass sich der russische Staat keineswegs um jeden seiner Bürger kümmert, der in seinem blutigen Krieg gegen die Ukraine ums Leben kommt, überrascht ganz und gar nicht: Mütterchen Russland war schon immer äußerst grimmig zu ihren Kindern.
  • Was speziell auffällt, ist die Gefühllosigkeit der wirklichen Mütter gegenüber ihren Söhnen, die in Kriegsgefangenschaft geraten sind. In Dutzenden von ukrainischen Anti-Propaganda-Videos, in denen russische Kämpfer ihre Mütter zu Hause anrufen, bringen sie weder Entsetzen noch Mitgefühl zum Ausdruck. Ihre Äußerungen sind gleichgültig, kalt und sogar vorwurfsvoll, als ob sie wütend oder verärgert seien.
  • Ein normaler Mensch kann nur schwer verstehen, was hinter diesem Verhalten steckt. Ich verfolge verschiedene regionale russische Chats, in denen sich die Teilnehmer in aggressiv-mörderischen Parolen gegen die Ukrainer suhlen.
  • Die von den Ukrainern mitgeschnittenen Gespräche russischer Soldaten mit ihren Müttern, Freundinnen und Ehefrauen sind noch entsetzlicher. Alle denken, ihre Anrufe seien privat, und so hält sie nichts zurück.
  • Bestialische Instinkte kommen zum Vorschein, offen und unverhüllt. Zum einen sprechen alle in den niedrigsten und abscheulichsten, nicht druckbaren und auch nicht übersetzbaren Obszönitäten.
  • Zum andern ist nicht nur die Form, sondern auch der Inhalt der Gespräche abscheulich. So gerät eine Mutter außer sich, als sie hört, dass ihr Sohn bereit ist, sich selber zu erschießen, und fängt an zu lamentieren, dass die Russen zu lahm mit ihrer Gewalt seien und die Zivilisten verschonten.
  • Eine andere Frau freut sich, als ihr Mann ihr erzählt, dass ihre Tochter ihm einen Brief aus der Schule geschickt habe, in dem sie sich wünsche, dass er alle Ukrainer töte. Sie lacht und sagt: «Genau! Sie hat es sogar richtig formuliert, nicht wahr?»
  • Eine andere muntert ihren Mann mit zärtlichen Worten auf, als sie hört, dass er Kosmetika für sie und seine Schwiegermutter geplündert hat. «Sofia wird studieren gehen», sagt sie über ihre Tochter. «Sie braucht auch einen verf***ten Laptop. Raff alles zusammen, was du kriegen kannst, Andrei!»
  • Frauenstimmen freuen sich auf das mit unschuldigem Blut getränkte Plündergut, und mitunter scheint es, dass sie auf diese gestohlenen Waren – wie Küchenmixer oder Waschmaschinen – noch gieriger warten als auf ihre Männer
  • Wenn sie von russischen Soldaten hören, die vergewaltigen oder Leute hinrichten, seufzen einige von ihnen vor Kummer, andere aber fangen gleich an zu schreien: «Das geschieht ihnen recht, sie sind alle Nazis!»
  • Eine Frau gibt ihrem Mann sogar eine schockierende Anweisung: «Mach nur, vergewaltige ruhig ukrainische Weiber, okay? Doch erzähl mir nichts davon. Verstehst du?» (Lachen.)

Es folgt das ganze Gespräch...

Es vergeht kein Tag und keine aktuelle TV-Sendung in denen die Medien nicht als Verstärker und Sprachrohr für diejenigen auftreten, die vehement schwere deutsche Waffen aus Bundeswehrbeständen für die Ukraine fordern. Dieses ständige Trommeln für „Schwere Waffen" hat inzwischen die Form einer Gehirnwäsche angenommen, weil angeblich auch die Mehrheit der Deutschen für eine derartige Lieferung sein soll.

Es dürfte zu behaupten sein, dass viele, die diese Forderung jetzt aufstellen und verstärken, nicht einmal genau wissen, was „schwere Waffen“ eigentlich sind. Ist die „Schwere“ abhängig vom Gewicht, vom Kaliber, von der Reichweite der Waffen, von der Panzerung, von der Reichweite der Fahrzeuge oder gar allem zusammen? Zudem stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, jetzt solche Waffen an die Ukraine zu liefern und wie lange würde es voraussichtlich dauern, bis diese so zum Einsatz kommen, dass sie auch wirkungsvoll eingesetzt werden könnten?

Ein sogenannter CDU-Verteidigungsexperte, Henning Otte aus Celle, sagte in einem Interview mit der Braunschweiger Zeitung: „Wir müssen alle Waffen liefern, die Ukraine zur Abwehr des russischen Angriffs benötigt, die WIR BEREITSTELLEN KÖNNEN und bei denen KEINE INSTANDHALTUNG UND AUSBILDUNG AUF UKRAINISCHEN BODEN NOTWENDIG IST."

Otte schränkte ein, dass es sich dabei aber nicht um die von der Ukraine geforderten Schützenpanzer handeln könne. „Das System Marder ist nicht nur KOMPLEX, es ist auch durch seine Bordkanone in der Feuerkraft eingeschränkt".

Ich gehe davon aus, dass das auch für Leopard Panzer zutrifft, dass die so komplex sind, dass sie nicht ohne weiteres von Soldaten einer fremden Macht bedient werden können. Abgesehen davon, dass es mit „nackten“ schweren Waffen allein nicht getan ist und mehr dazu gehört.

Auch Militärexperte Carlo Masala sieht in der kurzfristigen Lieferung ein Problem im Aufbau einer Logistik-Kette, also einer Infrastruktur für die Wartung, Reparatur, Ersatzteile und um die Panzer mit Munition und Treibstoff zu versorgen. "Die meisten denken, man stellt den Ukrainern den Panzer in Kiew auf den Hof und dann ist es gut".

So einfach sei es allerdings nicht, räumte der Experte ein. Sobald es sich nämlich um komplexe Waffensysteme handelt, mit denen die Ukrainer nicht vertraut sind, wie z.B. dem Leopard 1 oder Schützenpanzer Marder, wird es deutlich komplizierter.
Um diese Waffen effizient einsetzen zu können, müssen die Besatzung, bestehend aus Kommandant, Richtschütze, Kraftfahrer und im Kampfpanzer auch dem Ladeschützen, ausgebildet sein und harmonieren, um das Waffensystem richtig zu bedienen und im besten Falle zu beherrschen. Um laden, zielen und treffen zu können, sowohl gegen Erd- und Luftfeind, um Störungen beseitigen, das Gerät warten und ggfs. instandsetzen zu können, sowohl Waffe als auch Fahrzeug und den Panzer in jedem Gelände und bei jedem Wetter fahren zu können, ist eine umfassende Ausbildung aller Besatzungsmitglieder erforderlich. Ohne an den Fahrzeugen und am Gerät ausgebildete Elektroniker, Kfz- und Waffenmechaniker wird das Großgerät zur Einmal- oder gar zur Wegwerfwaffe. Sobald nämlich Störungen auftreten oder das Fahrzeug ausgefallen ist, muss es stehengelassen und aufgegeben werden (und fällt dann ggf. in russische Hände)

Vor diesem Hintergrund mal locker zu fordern, Marder- und Leopard Panzer zu liefern, die dann von Soldaten bedient werden sollen, die bisher Waffen und Munition des ehemaligen Warschauer Paktes verwenden, ist nicht nur abenteuerlich, sondern naiv und von parteipolitischem Kalkül geprägt. Es hat den Anschein, dass viele diese Forderung stellen und befürworten, weil sie glauben, mit der Lieferung „schwerer Waffen“ könnte man das Problem lösen. Vor allem aber beruhigt es das eigene Gewissen, da man ja das vermeintlich Richtige fordert.

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